Typografie - professionell gestalten

Gestaltungsregeln für bessere Lesbarkeit

Sie werden sicherlich keine Schwierigkeiten mit «Vater Staat» bekommen, wenn Sie einige dieser Gestaltungsregeln nicht einhalten. Es handelt sich auch nicht um Gesetze - aus meiner Sicht sollen es nützliche Erklärungen und Tipps sein, wie Sie einem Dokument oder einer Präsentation einen professionelleren «Touch» geben können. Schliesslich erstellen Sie Dokumente und Präsentationen selten für sich selbst sondern für ein definiertes Zielpublikum.

Denken Sie daran, wer einen Text liest, auf dem ihr Name steht  - der macht sich damit auch ein Bild von Ihnen. Ausschlaggebend ist dabei sowohl der Inhalt wie auch der Auftritt.

Masseinheit «Punkt»

In der Typographie wird für Massangaben meistens die Masseinheit in «Punkt» verwendet. Ein Punkt entspricht 1/72 Zoll oder 0,35 mm. Eine Schriftgrösse von 11 Punkt beispielsweise gilt als Standard-Schriftgrösse für eine Textzeile.

Oberlänge und Unterlänge

Alle Zeichen einer Schriftart stehen auf der Grundlinie. Die Höhe oder Länge der Kleinbuchstaben wir als Mittellänge bezeichnet. Die Länge der Buchstabenteile, die über oder unter der Mittellänge hinaus gehen, werden als Ober- bzw. Unterlänge bezeichnet. Unterlängen sollten nicht «abgeschnitten» werden (siehe Unterstreichungen).

Linksbündig, Rechtsbündig, Zentriert und Blocksatz

Ein Text kann in allen Text-Editoren bzw. Applikationen meistens verschieden ausgerichtet werden. Nicht jede Ausrichtung eignet sich aber für jede Art Text, auch hier gibt es einige Regeln.

Ausrichtung
Beschreibung
Dieser Text ist linksbündig formatiert
  • Normaler Text wird in unseren Breitengraden (Mitteleuropa) linksbündig gestaltet, da wir von links nach rechts lesen.
  • Die linksbündige Darstellung ist auch beim schnellen Lesen von Präsentationen von Vorteil: Da das «Textbild» ruhig ist, kann eine Folie schnell «erfasst» werden.
Dieser Text ist rechtsbündig formatiert
  • Rechtsbündige Ausrichtung eignet sich - wie im Beispiel - nicht gut für Text, es sei denn sie wollen auffallen. Sinnvoll ist rechte Ausrichtung für Zahlendarstellungen.
  • Bei Zahlendarstellungen können (beispielsweise in Microsoft Word) ergänzend Dezimaltabulatoren verwendet werden. Dadurch werden die Zahlen an der Dezimalstelle (Punkt) ausgerichtet.
Dieser Text ist zentriert formatiert
  • Zentrierte Ausrichtung - auch als «Mittelachse» bezeichnet - für wenig Text in einer eher zierlichen Darstellung. Beispielsweise für Menükarten, Einladungen, Dankes- oder Hochzeitskarten usw.
  • Bei Präsentationen kann zentrierter Text auf einer Titelfolie verwendet werden. Bei Inhaltsfolien ist die linksbündige Ausrichtung zu bevorzugen, da diese ein ruhiges Erscheinungsbild bietet.
Dieser Text ist als Blocksatz formatiert
  • Blocksatz eignet sich sehr gut, wenn der Text in Spalten dargestellt wird.
  • Da sowohl der linke wie auch der rechte Rand eine gleichmässige Linie bilden, wirkt eine die Textseite übersichtlich und gegliedert, die Spaltengrenzen sind gut erkennbar.
  • Blocksatz sollte unbedingt mit einer Silbentrennung kombiniert werden, da ansonsten oft Leerzeichen eingeschoben werden, was den Text unschön auseinander zieht

Laufweite, Kerning und Durchschuss

Den Abstand auf der Horizontal-Linie zwischen den Zeichen (Buchstaben, Zahlen usw.) bezeichnet der Typograph als «Laufweite» oder «Kerning».
Für den Zeilenabstand zwischen den Textzeilen (Vertikal-Linie) wird der Ausdruck «Durchschuss» verwendet. Diese Begriffe stammen noch aus der Zeit des Bleisatzes, als Texte für den Druck noch aus einzelnen Lettern oder Textfragmenten zusammengesetzt werden.

Schriftenauswahl ohne Grenzen

Auf einem Office-Arbeitsplatz tummeln sich schnell an die 50 bis 100 verschiedene Schriften - je nach installierten Software-Paketen. Diese Schriftenvielfalt müssen Sie aber nicht zur Schau stellen.

Lange nicht alle Schriften eignen sich für die Gestaltung von Dokumenten mit einem bestimmten Charakter. Wichtig sind bei der Wahl der Schrift folgende Punkte:
  • Art des Dokumentes (Bericht, Einladung, Protokoll, Präsentation usw.)
  • Zielgruppe des Dokumentes oder der Präsentation
  • Auf welchem Medium (Papier, Beamer-Präsentation, Online-Publikation)

Grundsätzlich lassen sich die Schriften in folgende Familien einteilen:
  • Serifen-Schriften
  • serifenlose Schriften
  • Zierschriften
Schriftmuster
Beschreibung
Muster für eine Serifen-Schrift
  • Die Serifen-Schriften eignen sich vor allem für Fliesstext und Spaltensatz, da die Serifen das Auge beim lesen unterstützen und führen.
  • Bekanntester Vertreter dieser Schriftfamilie ist die Times-Schrift (Postscript), eine verwandte Variante davon ist auf der Windows-Plattform die Times New Roman-Schrift. 
Muster für eine serifenlose Schrift
  • Im Gegensatz dazu können serifenlose Schriften gut für Überschriften verwendet werden, da diese, kurz und prägnant formuliert, keine spezielle Führung der Augen erfordern.
  • Muster dieser Schriftfamilie sind Helvetica (Postscript), Arial (Windows) oder Frutiger und Futura.
Muster für eine Zierschrift
  • Die Zierschriften dienen zur Verzierung von Dokumenten oder als «Lieferant» für Sonderzeichen.
  • Bekannte Schriften aus der Familie der Zierschriften sind Wingdings (Windows) oder ZapfDingbats (Macintosh) 

Anführungszeichen ohne «Gänsespuren»

Die hässlichen "Gänsefüsschen" stammen aus dem Schreibmaschinen-Zeitalter. Für professionell gestaltete, ansprechende Dokumente oder Präsentationen sind die «Spitzklammern» zu bevorzugen. Diese Spitzklammern sind die einzigen «typographisch korrekten Anführungszeichen».

Falls die Anführungszeichen einmal nicht verfügbar sind, können die ASCII-Codes verwendet werden. Die ASCII-Zeichencodes für die korrekten Anführungszeichen Alt+174 für « und Alt+175 für ».

Unterstreichen? Nein danke

Für Hervorhebungen von Texten ist diese Form nicht geeignet, häufig werden so genannte Unterlängen von Buchstaben abgeschnitten - was typographisch nicht korrekt ist. Bei Online-Publikationen im Intranet oder Internet besteht zudem die Gefahr der Verwechslung mit Hyperlinks, da Links (je nach verwendetem CSS-Stylesheet) unterstrichen dargestellt werden können.

Mit den modernen Mitteln der Programme für Textgestaltung und Textverarbeitung ist es stilvoller, Fettdruck oder kursive Hervorhebungen zu nutzen.

GROSS- und kleinbuchstaben

Textmuster
Beschreibung
EIN TEXT NUR IN GROSSEN BUCHSTABEN IST SCHLECHT LESBAR.
  • Die Verwendung von GROSSEN BUCHSTABEN (so genannte Versalien) ist in jedem Fall zu vermeiden, da sie die LESBARKEIT DES TEXTES stark beeinträchtigen.
  • Texte in Grossbuchstaben können auch als «Anschreien» interpretiert werden.
ein text nur in kleinen buchstaben ist schlecht lesbar.
  • Besonders im Zusammenhang mit dem E-Mail-Versand trifft man immer wieder bzw. immer noch Zeitgenossen, die ihre E-Mails vollständig in Kleinbuchstaben verfassen.
  • Dies ist genau so unübersichtlich wie GROSSBUCHSTABEN, auch bei einem «modernen Medium» wie E-Mail gelten die üblichen Rechtschreibregeln. 
EIN TEXT IN KAPITÄLCHEN IST FÜR DEN LESER GEWÖHNUNGSBEDÜRFTIG.
  • Diese Mischung von Gross- und Kleinschrift (Text wird grundsätzlich in Grossbuchstaben geschrieben, die GROSSBUCHSTABEN sind aber etwas grösser) wirkt eher antiquiert.
  • Für zeitgenössische Dokumente sollten keine Kapitälchen verwendet werden.

Kopf- und Fusszeilen

In Kopf- und Fusszeilen sollen nützliche Informationen immer an gleicher Stelle wiedergegeben werden.

Beispielsweise in einer Kopfzeile:
  • Kapitelbezeichnungen
  • Dokumentbezeichnung
  • Autor
  • Autoren- und Copyright-Hinweise
  • Klassifizierung

Beispielsweise in einer Fusszeile:
  • Dokumentenversion
  • Druckdatum
  • Seitenzahl
  • Anzahl Seiten

Prüfen Sie, welche Informationen für den Leser wirklich wichtig sind.

  • Das «© Copyright» beispielsweise ist für firmeninterne Dokument nicht sehr wichtig, das Dokument bleibt schliesslich im Unternehmen.
  • Wird in einer Kopfzeile eine Klassifizierung wie «Vertraulich» oder gar «Geheim» verwendet, so ist zu Beginn des Dokumentes die Klassifikation zu erläutern, allenfalls sind Hinweise auf interne Weisungen zu Dokument-Klassifikationen nützlich.
  • Es sollte vermieden werden, in Kopf- bzw. Fusszeilen technische Daten wie Pfad-Angaben oder Dateigrösse auszugeben, dem Zielpublikum bringen diese Informationen nur in seltenen Fällen einen Nutzen.

Bundsteg

Im Zusammenhang mit Publikationen wie Büchern, Broschüren und/oder Spaltensatz wird der Begriff «Bundsteg» wichtig. Der Bundsteg definiert den Abstand zwischen der linken und der rechten Seite.
Kopfsteg

Kopfsteg


Satzspiegel links

Der Satzspiegel umfasst Inhalte (Text, Bilder, Grafiken, Tabellen) der linken Seite.

Bundsteg: Bund-Abstand
zwischen den
gedruckten Inhalten


Satzspiegel rechts

Der Satzspiegel umfasst Inhalte (Text, Bilder, Grafiken, Tabellen) der rechten Seite.

Fusssteg

Fusssteg