Rechnungslegung - Transparente Buchführung gewinnt

Internationale Standards als Leitplanken

Die Rechnungslegung umfasst heute weit mehr als «langweilige Buchhaltung» mit Bilanz und Erfolgsrechnung. Die Rechnungslegung hat sich zu einem Teil der Marke des Unternehmens entwickelt, denn die transparente und korrekte Rechnungslegung mit zahlreichen, ergänzenden Informationen zum Geschäftsgang stellt einen echten Mehrwert für die Stakeholder (Mitarbeiter, Management, Shareholder usw.) dar.

Das externe Reporting eines Unternehmens (Teil der Rechnungslegung) fliesst typischerweise in einer Vielzahl von Kommunikationsgefässen ein. Dabei muss dies immer abgestimmt sein, denn unterschiedliche Angaben zum Geschäftsverlauf können schnell zu Unklarheiten und Irritationen im Markt führen, welche bei börsenkotierten Gesellschaften den Kurswert (und damit den Unternehmenswert) massiv beeinflussen. Mögliche Kommunikationsgefässe:
  • Geschäftsbericht
  • Zwischenbericht
  • Medienmitteilungen
  • Website des Unternehmens
  • Telefonkonferenzen
  • Analysten-Meetings
  • Rating-Ergebnisse
  • General-/Hauptversammlung
  • Interviews des Managements
  • Roadshows zu Produkten

Bekannte Firmen welche in der Vergangenheit Verzögerungen oder Neubewertungen in der externen Rechnungslegung hatten, bekamen diese durch Kursverluste deutlich zu spüren. Zwei Beispiele:
  • SwissLife 2002: Neubewertung von Beteiligungen
  • Adecco 2004: Verzögerungen beim Abschluss

Die Verwendung von Standards in der Rechnungslegung ist wichtig, damit unternehmensexterne Beurteilungen beispielsweise durch die Wirtschaftsprüfung (Revision) oder Banken zum Geschäftsgang, zur Weiterführung und zum Wert eines Unternehmens möglich sind. Die Rechnungslegungsstandards US-GAAP und IFRS sind heute marktüblich, in der Schweiz wird zusätzlich Swiss GAAP FER häufig verwendet. Die Abkürzungen bedeuten:

  • US-GAAP: United States Generally Accepted Accounting Principles, entstanden aus zahlreichen Regelungen von Einzelfällen, sie regeln Sachverhalte sehr detailliert und sind weniger prinzipienbasiert als IFRS
  • IFRS - International Financial Reporting Standards: Enthalten ein einheitliches Regelwerk internationaler Standards von hoher Qualität, Verständlichkeit und Durchsetzungsfähigkeit für Regulatoren
  • Swiss GAAP FER: Vermitteln ein Bild das den tatsächlichen Verhältnisse der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage einer Organisation, entspricht der so genannten «true & fair view»

Die Verwendung von IFRS verfolgt das Ziel, losgelöst von nationalen Vorschriften international vergleichbare Jahres- und Konzernabschlüsse zu ermöglichen. Dies ist besonders für Konzerne mit internationalen Beteiligungen wichtig.

In grösseren Unternehmen ist der Rechnungslegungsspezialist mit Expertenkenntnissen in US-GAAP oder IFRS heute eine wichtige Funktion im CFO-Bereich. Diese Expertenkenntnisse sind für Konzerne auch im Bereich der Konsolidierung sehr wichtig, wenn es darum geht Geschäftsabschlüsse verschiedener Unternehmen zu einem Konzernabschluss zusammenzuführen. Dabei müssen Berichterstattungen teilweise zwischen Rechnungslegungsstandards «übersetzt» werden.

Geschäftsbericht

Die Geschäftsberichte (welche die Rechnungslegung enthalten) wurden in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Diese Entwicklung wurde auch von den Medien getrieben, welche Geschäftsberichte der Unternehmen (z. B. Bankmagazin in Deutschlang, Bilanz in der Schweiz) vergleichen und dazu Ranglisten über Umfang, Gestaltung, Leserfreundlichkeit und Transparenz erstellen. Als Basis für die Vergleiche werden die Vorgaben der Börsen verwendet, darauf aufbauend werden Erwartungen der Stakeholder dokumentiert und gewichtet. So wird der Geschäftsbericht mehr und mehr zu einer Co-Produktion des CFO- und Marketing-Bereichs, Bilanz, Erfolgs- und Cashflowrechnung sind eingebettet in Emotionen.

Der Geschäftsbericht umfasst folgende Bestandteile:
  • Bilanz (Balance Sheet)
  • Erfolgsrechnung (Income Statement)
  • Mittelflussrechnung (Cashflow)
  • Veränderungen des Eigenkapitals
  • Anhang

Als Beispiel sind in der folgenden Bildergalerie einige Ausschnitte aus dem Geschäftsbericht von Schindler für das Jahr 2010 eingefügt.

Auszüge aus dem Geschäftsbericht Schindler 2010

  • Schindler Konzernbericht 2010: Emotionen holen den Leser ab
  • Schindler Konzernbericht 2010: Kompetenz und Komplexität wird gezeigt
  • Schindler Konzernbericht 2010: Corporate Responsibility am Beispiel von «grünen Aufzugsanlagen»
  • Schindler Konzernbericht 2010 / Finanzen: Emotionen ergänzen die nüchternen Zahlen
  • Schindler Konzernbericht 2010 / Finanzen: Konzernerfolgsrechnung
  • Schindler Konzernbericht 2010 / Finanzen: Umfassender Anhang
  • Schindler Konzernbericht 2010 / Finanzen: Bericht der Revisionsstelle
Insbesondere der «Anhang» der Rechnungslegung wird zunehmend ausgebaut (und auch nicht als Anhang bezeichnet), der ursprüngliche Anhang mausert sich zu einem gewichtigen Teil oder gar zum Hauptteil (aus Sicht des Umfangs) der Rechnungslegung. Der Anhang umfasst typischerweise folgende Funktionen:
  • Interpretationsfunktion
  • Entlastungsfunktion
  • Erläuterungsfunktion
  • Ergänzungsfunktion

Stark erweitert wurde dabei die Erläuterungs- und Ergänzungsfunktion - beispielsweise mit Angaben der Management-Vergütung (Grundsaläre, variable Vergütungen, Anreizsysteme). Die Ergänzungsfunktion enthält auch Informationen zur so genannten «Corporate Responsibility». Damit ist die gesellschaftliche Verantwortung eines Unternehmens gemeint, sie umfasst:
  • Verantwortliches unternehmerisches Handeln in der Geschäftstätigkeit (Markt)
  • Bewusster Umgang mit ökologisch relevante Aspekten (Umwelt)
  • Pflege der Beziehungen mit Mitarbeitern (Arbeitsplatz)
  • Aktiver Austausch mit den relevanten Anspruchs- bzw. Interessengruppen (Stakeholdern)

Diese Praxis führt zu einer «kombinierten Berichterstattung» führt zur integrierten Berichterstattung eines Unternehmens. Nicht nur nüchternen Zahlen eines Geschäftsjahres werden präsentiert sondern auch die Aktivitäten zur Nachhaltigkeit.  Dadurch steigen auch die Anforderungen an die Datenintegrität deutlich. Während die Angaben zu Bilanz- und Erfolgsrechnung aus dem CFO-Bereich stammen, fliessen Informationen zur Corporate Responsibility aus verschiedenen anderen Bereichen der Unternehmung (HR, IT, Produktion, Kommunikation usw.) in die Berichterstattung ein. 

Ad-hoc-Kommunikation

Für Unternehmen am Kapitalmarkt gelten strenge Vorschriften bezüglich Rechnungslegung und Kommunkation zu so genannt «kursrelevanten Vorgängen», welche das Unternehmen direkt oder indirekt betreffen. Diese strengen Vorschriften sind darauf ausgerichtet, dass sämtliche Marktteilnehmer gleichzeitig mittels «Ad-hoc-Kommunikation» über geschäftsrelevante Vorgänge informiert werden, welche den Aktienkurs möglicherweise beeinflussen können.

Diese Ad-hoc-Kommunikation umfasst beispielsweise:
  • Gewinnwarnungen
  • Veränderungen im Management
  • Beteiligungen an Dritt-Unternehmen (z. B. ab 3% für Schweizer Börse)
  • Akquisitionen und Veräusserungen von Unternehmensteilen
  • Ankündigung von Massen-Entlassungen
  • Bedeutende Auftragserteilungen
  • Produktionsmängel und -Rückrufe

Verstösse gegen die Ad-Hoc-Kommunikation oder die Rechnungslegung werden bei kotierten Unternehmen durch die Börsenaufsicht überprüft. Besteht ein nachweisbarer Verhaltensfehler, so kann die Börsenaufsicht dem Unternehmen als Marktteilnehmer Sanktionen (oft in Form von Bussen) auferlegen. Als Beispiele von Sanktionen der Schweizer Börse (SIX Swiss Exchange bzw. SIX Exchange Regulation) dient folgende Tabelle:

Sanktionen der SIX Swiss Exchange

Die SIX Exchange Regulation führt eine link externListe der Sanktionen öffentlich, damit sich die Marktteilnehmer über die Einhaltung der Vorschriften ein Bild machen können. Als Beispiel einer Sanktion dient im folgenden Abschnitt die Busse über CHF 25'000 der Pelikan Holding AG vom Januar 2011.

Sanktionen der Schweizer Börse gegen Pelikan Holding AG

  • Sanktion der SIX Exchange Regulation gegen Pelikan Holding

Investor Relations als Informationsdrehscheibe

Für die zielgruppen- und zeitgerechte Information der Investoren (Shareholder) und Analysten ist in vielen Unternehmen, welche an den Marktplätzen präsent sind der Bereich «Investor Relations» zuständig. Der Bereich Investor Relations erstellt die Ad-Hoc-Meldungen, kommuniziert zu Analysten und führt einen eigenen Bereich auf der Website des Unternehmens mit relevanten Informationen für die Investoren.

XBRL - Datenaustausch in der Rechnungslegung

Der Austausch von Informationen aus der Rechnungslegung (Bilanz, Erfolgsrechnung usw.) sollte im Zeitalter der Informationsgesellschaft nicht mehr als gedruckte Tabelle erfolgen. Analysten, Kreditgeber, Investoren möchten die Finanz-Informationen der Unternehmen in ihre Anwendungen integrieren und eigene Analysen durchführen. 

Mit dem Standard «XBRL» (eXtensible Business Reporting Language) ist dies möglich, XBRL ist eine auf XML basierende Sprache, mit der elektronische Dokumente im Bereich der Rechnungslegung erstellt und ausgetauscht werden. So können Unternehmen ihre Bilanz und Erfolgsrechnung mittels XBRL regelmässig den Banken elektronisch zur Verfügung stellen, diese können die Informationen in ihre Rating-Instrumente importieren und überprüfen, ob der Kreditnehmer die vereinbarten Leitplanken für die Kredite einhält oder ob Optimierungsbedarf besteht. Die XBRL-Schnittstelle wird zunehmend in ERP-Systeme integriert.