Portale als Informations- und Serviceplattformen

Das Portal als Tor zum Benutzer-Himmel?

Der Begriff des «Portals» wurde im E-Business-Hype (1995 bis 2000) durch Beratungsunternehmen geprägt und auch missbräuchlich verwendet. In dieser Zeit wurde schon eine einfache, grafisch gestaltete Internet-Applikation als «Portal» bezeichnet. Unzählige Projekte wurde gestartet um Portale zu entwickeln - nur wenige Projekte wurden fertig gestellt und haben bis heute überlebt.

Mittlerweile ist die Sichtweise auf Portale gesetzter, mit dem Begriff wird sorgfältiger umgegangen. Vorreiter von personalisierten Portalen waren die Web-Sites von Yahoo, Amazon und eBay. Während Yahoo primär den Bereich Suche und News anbietet bieten Amazon und eBay kommerizielle Angebote an.

Das Angebot eines Portals kann in verschiedenen Kontexten stehen, während ein Internet-Portal einen zentralen Zugang zu anderen Internet-Seiten und -Diensten bietet, stellt ein Intranet-Portal einen zentralen, internen, personalisierten Zugang zu Unternehmens-Daten und -Diensten zur Verfügung.

Ausprägungen von Portalen
Ein Portal besitzt typischerweise verschiedene Ausprägungen. Bei Portalen mit grafischer Benutzeroberfläche (B2C - Business to Customer) reicht sie Spannbreite von einer einfachen - vielleicht themenorientierten -Link-Sammlung bis zu einem umfassenden Funktionsangebot - vergleichbar mit einer Desktop-Applikation.

Weiterhin sind auch technische bzw. geschäftsprozessorientierte Portale (B2B - Business to Business) heute verfügbar. Ein technisches Portal bietet eine dokumentierte Schnittstelle für externe Dienst-Benutzer (Lieferanten, Partner eines Unternehmens) an. Diese Funktionsweise eines Portals ist mit der Funktionsweise der Web-Services vergleichbar.

B2B-Portal für die Prozess-Integration über Unternehmensgrenzen hinweg

Portal - die personalisierte Startseite

Ein einfache Anwendung eines Portals stellt die spezielle Form einer «Homepage» dar, die meist als Startseite definiert ist. Viele Anwender benutzen als persönliches Internet-Portal heute die Web-Suche von Google. Im einfachsten Fall wird nur die pure Google-Seite als Startseite im Browser eingerichtet und nicht weiter personalisiert:

Google als nackte Such-Maschine

Jeder weitere Zugriff auf Informationen im Web erfolgt bei dieser Konstellation über die Suchfunktion von Google. Die Startseite von Google lässt sich aber auch als Portal personalisieren und bezüglich angezeigten Inhalten indivduell gestalten:

Personalisierte Startseite in Google

Die Effizienz des Informationszugriffs ist dadurch höher, da sowohl die Suchfunktion wie auch gezielte Schlagzeilen/Neuigkeiten aus verschiedenen Themenbereichen sofort zur Verfügung stehen.

Mitarbeiter im Mittelpunkt - Portale im Unternehmen
Die IT-Umgebungen in Unternehmen sind oft über Jahre gewachsen und bestehen aus einer Vielzahl von Applikationen. Nicht besteht zwar ein modernes Intranet in einem Unternehmen, effektive Funktionen von CRM- oder ERP-Systemen zur Abwicklung von Geschäftsprozessen sind dort nicht verfügbar. Ein Portal für Mitarbeiter (B2E Business to Employee) verfolgt nun das Ziel, die für den Mitarbeiter relevanten Informationen und Funktionen auf einer einheitlichen Oberlfäche anzubieten.

Siebel als Beispiel eines B2E-Portals für die Mitarbeiter

Der Mitarbeiter soll sich dadurch auf seine eigentlichen Aufgaben (beispielsweise Kundenbetreuung und Finanzdienstleistungs-Verkauf) konzentrieren können, ohne zum Applikations-Spezialisten zu werden.

Ob die effektiven Applikationen «hinter dem Portal» durch moderne Web-Dienste oder neuere Applikationen (beispielsweise Java-Entwicklungen) ersetzt werden oder ob diese über eine Infrastruktur für Enterprise Application Integration weiterhin integriert genutzt werden, ist oft primär eine Frage der Finanzen bzw. der Wirtschaftlichkeit und sekundär eine Frage der IT-Architektur.

Eine seit 2003 öffentlich spezfizierte Integrationsvariante für Applikationen stellen die sogenannten Portlet's dar. Die Spezifikation trägt den Namen «JSR 168» (Java Specification Request), ein JSR ist vergleichbar mit einem RFC für (Request for Comments) Internet-Protokolle wie HTTP oder SMTP. Portlets sind Java-Applikationen, die in ein Portal eingebunden werden, sie bieten auf der Clientseite eine einfach zu benutzende Oberfläche innerhalb des Browsers (Fenster mit Knöpfen zum Maximieren, Minimieren, Editieren, Hilfe) an. Auf Serverseite steht eine beliebige Anwendung zur Verfügung, die ihre Darstellung auf das Portlet im Portal weiterleitet und dadurch die eigene Komplexität verbirgt. Der Begriff Portlet ist ein Kunstwort aus den Begriffen «Portal» und «Applet».

Newsportale
Im Zeitalter der Informationsflut erfreuen sich verschiedene Newsportale sich immer grösserer Beliebtheit. Bei den Newsportalen sind zwei Hauptrichtungen zu unterscheiden: Neutrale Informations- oder Schlagzeilen-Drehscheiben oder personalisierte Newsportale. Neutrale Newsportale wie beispielsweise Google News liefern einen Überblick über allgemein verfügbare Nachrichten und Schlagzeilen in Internet-Auftritten von Tageszeitungen und Nachrichtenmagazinen. Eigene Inhalte werden nur minimal hinzugefügt - dies aus Kostengründen. Personalisierte Newsportale bieten auf den Leser zugeschnittene Informationen, entweder selbst produziert oder zusammengestellt über Suchmaschinen. Die personalisierten Portale bieten somit einen automatischen Filter auf Neuigkeiten an, ohne den Leser/Benutzer mit Informationsballast zu belästigen.

Kostenloses News-Portal von www.news.ch

Finanzportale
Der Aufbau eines Finanzportals, das Konto-Informationen sowie relevante oder abonnierte Wirtschaftsinformationen anzeigt wurde von unterschiedlichen Finanzinstituten beabsichtigt und teilweise auch für (bis zu dreistelligen) Millionenbeträge realisiert. Einen echten Durchbruch oder einen entscheidenen Differenzierungsfaktor hat aber bisher noch kein Finanzinstitut hervorgebracht. Die heutigen E-Banking-Anwendungen wurden weitgehend wieder redimensioniert auf den transaktionalen Teil für Zahlungsverkehr und Börse, oft werden auch Servicefunktionen für Saldo- und Kursverlaufs-Überwachung oder elektronische Dokumente angeboten.

Finanzportal von NZZ-Finfox

Unabhängige Finanzportale gibt es praktisch keine, da die angebotenen Informationen teuer zu beschaffen oder durch Spezialisten selbst zu erstellen sind. Zahlreiche Finanzportale (wie auch NZZ Finfox) nutzen verschiedene Formen der Zusammenarbeit mit Finanzdienstleistern (beispielsweise «content syndication»), um aktuelle und qualitativ hochwertige Inhalte anbieten zu können.

Generationen von Portalen
Nach Gartner Group lassen sich die unterschiedlichen Arten von Portale (teilweise auch aus historischen Gründen) in vier Generationen einteilen:

  • Generation 0: Sammlung von Hyperlinks, einfache Suchfunktionen
  • Generation 1: Einfache Applikationslogik zur Inhalts-Konsolidierung, einfache Personalisierung
  • Generation 2: Applikations-Server basiertes Content-Management, Unterstützung für mobile und drahtlose Geräte
  • Generation 3: Kontextabhängige Personalisierung, Integration von Web-Services, Prozess-Orientierung
  • Generation 4: Komponentenbasierte Applikationen, Portal dynamisch zusammenstell und änderbar

Die Nutzung von Portalen in grossen, sich stetig verändernden Unternehmen (mit entsprechend komplexer IT-Landschaft) bewegt sich zur Zeit zwischen der zweiten und dritten Generation. Die Portale der vierten Generation sind möglich, wenn das Unternehmen den Könisweg der Service Orientierten Architektur (SOA) schon weitgehend beschritten hat.

Identifikation und Autorisierung
Eine Herausforderung für die Nutzung von Portalen - insbesondere im Internet - ist zur Zeit noch ungelöst: Die standardisierte Identifikation und Autorisierung eines Anwenders.

Oft werden dazu Kombinationen von Benutzernamen und Passwörtern verwendet, die Portal-Seite legt entsprechend ein spezifisches Benutzerprofil mit persönlichen Informationen und Einstellungen an.

Wer unterschiedliche Portale benutzt (Bücherbestellung, Versteigerungen, News-Dienste) kennt die Problematik: Auf jeder Portal-Seite werden die persönlichen Informationen erneut angelegt und gepflegt, die Regeln für Benutzernamen und Passwörter sind keineswegs identisch. Eine persönliche Passwort-Verwaltung ist notwendig, um im Portal-Dschungel den Überblick bzw. den Zugang nicht zu verlieren.